Offener Kanal Hamburg

Lange vor YouTube waren die Offenen Kanäle die Plattform, um sich öffentlich auszutoben. Jeder durfte im Offenen Kanal senden und so war der OK eine bunte Spielwiese für die verschiedensten Sendungen: Stadtteilmagazine, Sendungen von und über Minderheiten, Comedy und sogar selbstgemachte Spielfilme. Der OK Hamburg stellte Kameras (schwere SVHS-Schulterkameras), Schnitträume und ein Studio zur Verfügung. Für die Schnitträume gab es natürlich Wartelisten und wenn ich mit Freunden einen Termin ergatterte, saßen wir vor drei SVHS-Rekordern, einem Effektgerät, einem Titelgenerator und dem Mischpult. Damals war der Videoschnitt am Computer ein Traum!

Offener Kanal Titlecard

Der Offene Kanal Hamburg brachte eigene kleine Berühmtheiten hervor, doch 2003 trat unter dem CDU-geführtem Senat ein neues Landesmediengesetz in Kraft und der Offene Kanal wurde durch den Bürger- und Ausbildungskanal Tide ersetzt. Hatte vorher jeder Bürger ein Recht auf selbstverantwortliche Ausstrahlung (sofern die Sendung nicht gegen geltendes Recht verstieß), gibt es bei Tide dieses Recht nicht unbedingt.

Der Bettler

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Der Bettler wurde unsere erste Sendung auf dem OK. Weitgehend improvisiert und viel zu lang, wurde der Film als Zweiteiler gesendet. Insgesamt ist der Film 60 Minuten lang. Nach dem Dreh im Haus wurden noch Büroszenen nachgedreht, um die Handlung besser zu erklären. Die Handlung dreht sich um einen Straßenmusikanten, der in Verdacht steht, fremde Häuser auszukundschaften und dann auszurauben. Ein verdeckter Ermittler versucht ihn zu stellen.

Da der Offene Kanal eine Grenze für Einzelsendungen vorsah, wurden zwei Sendetermine an aufeinanderfolgenden Tagen gebucht. Der Mangel an Schauspielern machte es zudem nötig, die Kamera während des Drehs weiterzugeben, damit eine Person wieder auftauchen konnte. Sechs Personen waren an dem Film beteiligt.

Gesendet am: 26. und 27.4.1993 um 19:10
Format: PAL SVHS

Der Bettler ’95

Mit mehr Erfahrung beim Schnitt nahm ich mir zwei Jahre später das Material erneut vor. Das Ergebnis war die 95er Schnittfassung, die den Film auf 20 Minuten durch Kürzung von Nebenhandlungssträngen wie dem Familiendrama und den Büroszenen kürzte. Daher ist Der Bettler ’95 der bessere Film.

Gesendet am: 26. und 27.4.1993 um 19:10
Format: PAL SVHS

325 Stunden

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Für die Erstausstrahlung des Bettlers benötigten wir noch zusätzliches Videomaterial. Reality-Magazine, die sich reißerisch der Welt des Verbrechens widmeten, waren damals beliebt und so entstand „325 Stunden“. Wie beim Bettler, waren die Episoden dieser Sendung improvisiert, lediglich der grobe Rahmen wurde vorher festgelegt. Die zwei Episoden der ersten Sendung waren „Der Schaukler“ (Schaukelstuhlnutzer wird überfallen) und „Der Vertreter“ (Hausbesitzer bringt Vertreter um). Einer der Fehler, der uns beim Schnitt unterlief: In „Der Schaukler“ ist das Schnittteam zu hören, da wir das Mikrofon nicht rechtzeitig ausgeschaltet haben.

Gesendet am: 26.4.1993 um 19:10
Format: PAL SVHS

325 Stunden II

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Wie schon beim 95er Bettler, haben wir auch bei der Neuauflage von 325 Stunden deutlich dazugelernt. 325 Stunden II übernahm die zwei Episoden der ersten Sendung und wurde 30 Minuten lang. Neue Episoden:

  1. Der Klavierspieler: Ein Klavierspieler spielt ein Lied für seinen alten Onkel. Doch ein Verbrecher stürmt herein, spielt wie wild auf dem Klavier. Der Onkel erleidet ob der Misstöne einen Herzinfarkt.
  2. Der ehrliche Verbrecher: Verbrechen geht auch höflich, denkt sich dieser Kriminelle, doch manchmal entpuppt sich das Opfer als noch krimineller als der Täter.
  3. Das Böse ist immer und überall: Moderator Ulrich Kracht ist sich sicher: Das Verbrechen lauert überall! Also geht er raus und wartet in der Dunkelheit, um ein Verbrechen live zu filmen. Er wird nicht enttäuscht…

Gesendet am: 30.6.1995 um 18:00
Format: PAL SVHS

325-stunden-klavierspieler

Der Spiegel

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Im Spiegel offenbart sich die Psyche des Vermieters, der die unschöne Eigenschaft hat, seine Mieter früher oder später umzubringen. Unser Versuch eines Horrorfilms, mit Ketschup und der Musik aus Psycho. Neben Indy war dies ein Film, der eine Weile im Archiv lag und erst später gesendet wurde.

Gesendet am: 20.1.1998 um 18:05 (19 Minuten)
Format: PAL SVHS

Indy – Auf der Suche nach dem Sonnentempel

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Die Indiana-Jones-Parodie Indy war unser erster Film, wurde aber erst fünf Jahre später gesendet. Probleme mit der Technik und dem Bildmaterial waren die Ursachen. Schließlich gelang es doch noch, den Film zu retten. Der Abenteurer Indy bekommt per Telefonat den Auftrag, den sagenumwobenen Tempel des Germanen-Gottes Germanitu zu finden, doch Mr. Johnson und seine Schergen sind ihm auf den Fersen.

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Der Film ist nicht unbedingt als Indiana-Jones-Parodie erkennbar, was insbesondere an der Requisite lag: Indy musste ohne seine Peitsche auskommen.

Gesendet am: 19.3.1998 um 21:30
Format: PAL SVHS