Jaapan

Itoe

Meine Freundin Itoe.


Der Hase und der Karottenkämpfer

Eine buddhistische Geschichte.


Abends bei Volker B.

Volker B. - Arbeit - Abgabetermin - Streß, Streß, Streß


Suddenly Last Winter

Ein lustiges Stück rund um Gehirnchirurgie, gierige Erben und smarte Doktoren (Parodie)


Hase & Igel

Die "Hase & Igel"-Geschichte einmal anders.


Insomnia

Ein Schriftsteller, von Schlaflosigkeit geplagt, halluziniert. (Englisch)


Buffy Fan-Fiction

Der Inhalt der alten Buffy-Seite.


SUDDENLY LAST WINTER

Eine Parodie des Theaterstücks "Suddenly last summer" von Tennessee Williams
Geschrieben von Matthias Jaap

A play in 6 scenes

"LIONS"

von Sebastian Vegetable

 

Löwen
Löwen
Löwen
Fleisch

 

Antilopen
Löwen
Antilopen
Aarggghh!

 

Antilopen

Löwen

 

 

 

 

 

ERSTE SZENE

 

Das Setting der ersten Szene ist ein typisches amerikanisches Büro in den 50ern. Auf der rechten Seite befinden sich zwei Fenster und gleich daneben ein leicht altmodischer Tisch. Die ältliche Klimaanlage gibt nur noch bizarre Klänge von sich. Mehr in der Mitte des Raums steht ein großer Tisch, auf dem wiederum eine fleischfressende Pflanze steht. Die Farben der Einrichtung sind warm und gediegen - es ist der Arbeitsplatz von Mr. Harrows, dem Leiter eines medizinischen Instituts. An den Wänden hängen lediglich ein paar kleinere Fotos, die aber beim näheren Hinschauen nicht angenehm wirken: Auf einem Fotos ist ein afrikanischer Löwe beim Verschlucken eines Arbeiters zu sehen.

 

[ Bis auf die Klimaanlage ist es still im Raum. Reginald Harrows, auch als die "graue Eminenz" des Instituts beknnt, sitzt nachdenklich an seinem Schreibtisch und macht nur ab und zu Notizen. Sein Blick schweift ab auf eines jener Magazine, die ihm leicht den Job oder zumindest die Ehefrau kosten könnten. Als ein Klopfen an der Tür die Stille unterbricht, wirft er das Magazin hastig aus dem Fenster. ]

 

MR.HARROWS [ laut ]: Ja, bitte!

[ Der Doktor tritt ein. Er ist ein gutaussehender Mann Mitte 30 und trägt einen gepflegten, dunklen Anzug. Einziger Makel ist eine kleine Zahnlücke, die er einer kurzen, aber erfolglosen Box-Karriere verdankt. ]

DOKTOR: Sie wollten mich sprechen, Sir.

MR.HARROWS [ ernst ]: Setzen Sie sich, Cukrowicz.

DOKTOR: Ja, sir. [ er setzt sich und blickt leicht konfus ]

MR.HARROWS: Nun, nun... Ich habe leider schlechte Nachrichten, was unsere Klinik und damit auch ihre Arbeit betrifft...

DOKTOR: Gibt es Kritik an meiner Arbeit?

MR.HARROWS: Oh nein, das ist nicht der Grund. Sie sind zweifellos einer der talentiersten Gehirn-Chirurgen Amerikas. Es wäre törricht, ihre Abteilung schließen zu wollen! Allerdings sieht die finanzielle Seite für unsere Institution nicht allzu gut aus...

DOKTOR: Was können wir tun, Sir?

MR.HARROWS: Ich habe es wieder und wieder versucht - ich habe geredet, verhandelt und sogar gedroht. Alles nur, um etwas Unterstützung für unsere Arbeit zu bekommen! Und was habe ich bekommen? Einen Brief, in dem mir mit der Steuerbehörde gedroht wird! Ich habe alles in meiner Macht stehende getan, Cukrowicz, aber uns fehlen zwei Millionen Dollar. Welche Firma würde aber ein Institut für Gehirnchirurgie unterstützen? Wir brauchen Sie, Cukrowicz, die Zukunft von 'Lion's view' liegt in Ihren Händen.

[ Während Mr. Harrows weiter über die Probleme des Instituts spricht und die Pflicht des Doktors, zu helfen, phantasiert Cukrowicz über sich in Gedanken als einen Superhelden im rot-blau-weißen Anzug mit einem großen 'C' auf der Brust. Die Menschen auf der Straße jubeln ihm zu, doch sind nicht in der Lage, seinen Namen auszusprechen: "Super-Cru... Cook..., Cuc..." Die Menge, frustiert über die eigene Unfähigkeit, jubelt daraufhin einem anderen Superhelden zu, der direkt neben Cukrowicz steht: "Super-Man, Super-Man..." Super-Man mustert Super-Cukrowicz arrogant und sagt: "He, he, he - Verlierer!" Cukrowicz erwacht aus seinem Tagtraum. ]

Cukrowicz? Alles in Ordnung?

DOKTOR [ verwirrt ]: Ja, Sir... Ich war nur... etwas abgelenkt.

MR.HARROWS: Cukrowicz, Sie machen mir Sorgen. Ich brauche Sie wohl nicht an unsere drei Ärzte zu erinnern, oder? [ Cukrowicz schaut auf die Wand und wird sichtlich nervös ]

DOKTOR: Bitte, Sir, ich möchte nie wieder auf eine Safari.

MR.HARROWS: Ich habe nicht vor, Sie fortzuschicken. Ich brauche Sie, Cukrowicz: Gerade heute hat mich eine Mrs. Vegetable angerufen. Sie ist eine wohlhabende Dame, die seit einem Todesfall in der Familie zurückgezogen in ihrem Anwesen wohnt. Sie schien außerordentlich interessiert an ihrer Arbeit zu sein und ich versicherte ihr, dass sie der qualifizierteste Chirurg überhaupt sind. Dennoch ist es sehr schwierig, sie zu überzeugen - sie bat deshalb um ein persönliches Treffen mit Ihnen.

DOKTOR: Ich hoffe, sie weiß, dass wir nur Freiwillige, Geisteskranke und Kriminelle am Gehirn operieren.

MR.HARROWS: Dies ist nicht die Zeit, um wählerisch zu sein, Cukrowicz. Wir brauchen die Finanzspritze, sonst können wir unsere Forschungen nicht mehr weiterführen.

DOKTOR: Ich bin verpflichtet, sie über die Risiken der Operation aufzuklären.

MR.HARROWS [ sauer ]: Tun Sie es, tun Sie es... aber wenn wir Mrs. Vegetable als Spenderin verlieren, sind Sie Ihren Job los!

[ Der Doktor ist sprachlos ]

[versucht sich an einem freundlicheren Tonfall ] Das Treffen ist morgen um fünf Uhr abends. Denken Sie daran, dass nicht nur ihre Arbeit davon abhängt, sondern auch die von vierzig Ihrer Kollegen.

DOKTOR: Ich verstehe. Kann ich jetzt gehen, Sir?

MR.HARROWS: Gehen Sie... und kommen Sie nicht wieder, bevor Mrs. Vegetable uns nicht ihre finanzielle Unterstützung zugesagt hat.

DOKTOR: Vielen Dank, Sir. [ er verlässt den Raum und schließt die Tür ]
Oh, wie ich ihn hasse!
[ Als er den Flur hinuntergeht, kommen ihm zwei Schwestern entgegen, die etwas Mühe haben, einen geisteskranken Mann im Zaun zu halten. Der Mann erregt die Aufmerksamkeit von Cukrowicz durch dessen Kleidung - er sieht aus wie Super-Man. ]
Ein neuer Patient?

SISTER: Er behauptet, er sei "Super-Man". Wir haben ihn vor fünf Minuten eingefangen, als er versucht hat, ein Hochhaus hochzuklettern.

MANN [ mit irrem Tonfall ]: Ich komme von Krypton, um euch alle zu retten - glaubt mir, glaubt mir!

SISTER: Was sollen mir mit ihm tun, Doktor?

DOKTOR [ still, denkt an den Tagtraum ] : Verlierer...

2ND SISTER: Entschuldigen Sie?

DOKTOR [ aufgeschreckt ]: Sperren Sie ihn in unsere kleinste Zelle und verwahren Sie ihn dort für die nächsten 48 Stunden. Das wird diesem Kerl genug Zeit geben, um über ganz viele Dinge nachzudenken!
[ Die Schwestern schauen sich etwas verwundert an, befolgen dann aber die Anweisungen. Auf dem Gesicht des Doktors spiegelt sich Genugtuung wieder.. ]

Niemand nennt mich einen Verlierer!

 

ZWEITE SZENE

[ Mr. Cukrowicz wartet in der Eingangshalle von Mrs. Vegetables Haus. Er hält ein Glass Gin Tonic und schaut etwas ausdruckslos nach vorne. ]

[ Simon, der Butler, tritt ein ]

SIMON: Mr. Cu- Co-, die Dame erwartet Sie bereits. Würden Sie mir bitte folgen?

[ Der Doktor folgt Simon, der durch eine goldene Tür schreitet, die zur Veranda des Anwesens führt. ]

SIMON: Sie wird in Kürze eintreffen. Wenn Sie mich bitte entschuldigen würden, Sir?

[ Der Doktor macht eine Geste und der Butler verlässt die Szene. ]

[ Gelangweilt sieht sich der Doktor die Bilder an den Wänden und die Bücherregale an. Er findet ein Märchenbuch und blättert darin. ]

DOKTOR [ liest ] : Schildkröten... Schildkröten... Schildkröten... See-Schildkröten... Sand... See-Schildkröten... Sonne... Vögel... Vögel... Vögel... See-Vögel... Aaarghhh!... Schildkröten... Vögel...
[ er schließt das Buch ] Was für ein gräßlicher Müll! [ er schaut auf das Cover ] Sebastian V., "Sommer-Träume".
[ Die große Tür öffnet sich und Mrs. Vegetable tritt wie eine Königin auf einem roten Teppich ein. Sie ist gekleidet wie eine typische High-Society-Lady in einem eleganten Kleid. Ihr Make-Up kann ihr wahres Alter kaum noch verschleiern und ihr Haar mit einem leichten orangenen Farbstich lässt sie kaum jugendlicher wirken. Mrs. Vegetable wirkt etwas geschwächt und macht ihre Schritte langsam und bedächtig.
Der Doktor in seinem 1000-Dollar-Anzug und 10-Dollar-Schuhen ist sichtlich beeindruckt. Sein Blick entgeht der alten Dame nicht.
]

MRS.VEGETABLE: Sie können Ihren Mund schließen, Doktor.

DOKTOR [ etwas verwirrt ]: Entschuldigung, Mrs.

MRS.VEGETABLE: Nun, dies ist kein geeigneter Ort für unsere Unterhaltung. Würden Sie mich in den Garten begleiten?

DOKTOR: Der Garten?

MRS.VEGETABLE: Wir gehen die Treppe hoch, dann nach rechts, fünfzig Meter nach vorne, dann nach links und dann immer weiter bis zum Piranha-Aquarium. Dort gehen wir die Treppe wieder hinunter und haben dann den Garten erreicht..

DOKTOR [ hat kein einziges Wort verstanden ]: Ah, jaja, richtig, richtig

[ Drei Stunden später haben der Doktor und Mrs. Vegetable den Garten erreicht. Aus dem Garten ertönen Vogelschreie und Wolfsgeheul - beides verstummt, als die beiden die Gartenstühle erreichen. Sie setzen sich, der Doktor sichtlich irritiert von den gelben Augen, die ihn hungrig aus dem Gebüsch entgegenfunkeln. ]

MRS.VEGETABLE: Diesen Garten hat mein Sohn aufgebaut. Auf den kleinen Zetteln stehen die lateinischen Namen aller Pflanzen und Tiere, die hier leben. Sie wären erstaunt, was für seltene Pflanzen hier wachsen und gedeihen, Doktor. [ Sie holt tief Luft ] Sehen Sie sich diese Pflanze an - [ sie zeigt auf eine Pflanze ] haben sie so etwas schon einmal gesehen?

DOKTOR: Dem Aussehen nach könnte es sich um eine fleischfressende Pflanze handeln.

MRS.VEGETABLE: Sie liegen richtig mit ihrer Vermutung. Es heißt, dass sie sogar größere Tiere und Menschen verspeisen kann. Ich weiß nicht, ob daran etwas Wahres ist, aber eines Tages vermisste ich meinen Butler. Ich fand seine Schuhe vor dieser Pflanze. [ Sie seufzt. ] Ich fühle, dass ich Ihnen vertrauen kann, Dr. Cuckoo?

DOKTOR: Cu-kro-wicz. Es ist ein polnischer Name, der übersetzt etwa "Zucker" bedeutet, also nennen Sie mich einfach Doktor Zucker. [ Er lächelt ]

MRS.VEGETABLE: Nun, Doktor - Zucker, dieser Garten war Sebastians Leben. Unzählige Tage hat er hier verbracht und jedes Detail geplant - selbst die Pfade der Löwen in dem Garten waren ihm vertraut. [ Sie starrt den Doktor plötzlich entsetzt an. ]

DOKTOR: Stimmt etwas nicht?

MRS.VEGETABLE: Nicht bewegen, Doktor Zucker, nicht bewegen.

DOKTOR: Was?

[ Mrs. Vegetable nimmt einen Revolver, der auf dem Teppich liegt. Sie schiesst auf die Spinne, die, es sich auf dem Kopf vom Doktor bequem gemacht hat. ]

Mrs, Mrs. Vegetable, Sie hätten mich töten können!

MRS.VEGETABLE: Diese Spinne auf Ihrem Kopf war hochgiftig. Ich möchte Sie nicht beunruhigen, Doktor, aber ihr Gift kann innerhalb weniger Minuten töten...

DOKTOR [ sichtlich beunruhigt ]: Nun, äh - vielen Dank. Gibt es in diesem Garten noch irgendwelche unangenehmen Überraschungen?

MRS.VEGETABLE: Dieser Garten ist das Spiegelbild von Sebastians Leben - er ist voller Überraschungen.

DOKTOR: Was für ein Mensch war ihr Sohn?

MRS.VEGETABLE: Sein Leben bestand aus seiner Arbeit als Künstler. Vor zwanzig Jahren fing er an, Gedichte zu schreiben und ich erkannte sein Talent. Ich erinnere mich an sein erstes Gedicht, als ob es gestern wäre: Hasen... Hasen... Hasen... blaue Hasen... Karotten... gelbe Hasen... Ostereier... Hasen... Autos... Aaarghhh!... Hasen... Autos...
Welch wundervolle Worte! Sein künstlerisches Schaffen gipfelte in dem Werk "Sommer-Träume" - ein zu Unrecht noch nicht anerkannter Klassiker. Was denken Sie über Gedichte und Lyriker?

DOKTOR: Meine Arbeit lässt mir leider nur sehr wenig Zeit, um mich mit Literatur zu beschäftigen, aber ich denke, dass Schriftsteller ein sehr hartes Leben führen.

MRS.VEGETABLE: Ja, das ist wahr. Und es ist bedauerlich. Es gab nicht viele Menschen, die den wahren Sebastian kannten und noch weniger hatten die Ehre, seine Werke zu lesen. Nur ich habe alle seine Werke gelesen, darunter mein Lieblingsgedicht: "Schlangen - Ein Gedicht über Paranoia, Diplomatie und Fünf-Uhr-Tee". Der Anfang ging ungefähr so: "Schlange... Tee... Die Schlange trinkt Tee... Der Diplomat wird von der Schlange gefressen... Die Schlange ist allein... Ich bin die Schlange..."
Besser konnte mein Sohn nicht zusammenfassen, was ihn bewegt. Aber die meisten Menschen sind leider nicht in der Lage, hinter die Zeilen zu schauen. Wir verkehrten nur noch in den Kreisen, die ihm Bewunderung entgegenbrachten, den reichen und schönen Menschen auf der Welt. Wir waren in den feinsten Zirkeln Europas bekannt - Venedig, Madrid, Paris, Rio de Janeiro.

DOKTOR: Rio de Janeiro? In Europa?

MRS.VEGETABLE: Nein, nein... [ sie lächelt amüsiert ] Aber wir waren auch in Süd-Amerika sehr bekannt.

DOKTOR: Ah, ich verstehe. [ der Doktor zückt sein Notizbuch ]

MRS.VEGETABLE: Mein Sohn behauptete immer, dass er nicht berühmt werden wolle, aber ich wusste, dass er log: Ein Dichter möchte sich mitteilen, er wünscht sich zu offenbaren und das ist sein Lebenstraum. Nachdem er - verstarb, sah ich es als meine Aufgabe an, ihm die Anerkennung zu geben, die ihm im Leben nie vergönnt war. Jeder sollte sagen: Ah, Sebastian Vegetable! Der Künstler, der "Lions" und "Turtles & Sea birds" schrieb! Dann werden die Kritiker verstummen und seine Werke werden in Ehren gehalten werden. Was machen Sie da, Doktor?

DOKTOR: Ich mache nur ein paar Notizen. [ er schreibt: "etwas verrückt" ] Bitte, ich höre Ihnen zu...

MRS.VEGETABLE: Und wenn sie nicht aufhören, ihn zu kritisieren, werde ich jedem Kritiker eine seltene fleischfressende Pflanze schicken. Er verdient Respekt, Doktor. Er verdient - hach, besonders sein zweites Gedicht: Bären-

DOKTOR [ unterbricht sie abrupt ]: Wir sollten über die Frau sprechen, die Sie treffen möchten. Sie glauben, dass sie verantwortlich für den Tod von Sebastian ist?

MRS.VEGETABLE: Sie hat meinen Sohn ermordet! Nachdem sie ihn umgebracht hat, hat sie es auch noch gewagt, Lügengeschichten über ihn zu verbreiten. Aber wie sollte sich Sebastian jetzt noch verteidigen können! Diese Frau hat kein Gespür für die Ehre eines Dichters und sie hat ihm grausame Dinge angetan...

DOKTOR [ zündet sich eine Zigarette an ]: Und zwar?

MRS.VEGETABLE: Ich kann es nicht sagen...

DOKTOR: Bitte!

MRS.VEGETABLE: Nein, nein, Doktor. Es ist einfach zu grausam. [ Tränen kullern ihr Gesicht herunter ]

DOKTOR: Nun, unter solchen Umständen kann ich nicht arbeiten.

MRS.VEGETABLE: Es ist...

DOKTOR: Ja...

MRS.VEGETABLE: Es ist...

DOKTOR: Ja...

MRS.VEGETABLE: Sex.

DOKTOR [ laut ]: Sex?!

MRS.VEGETABLE: Seien Sie still, Doktor! Es geziehmt sich nicht, so über Sebastian zu reden. Er hat bereut - er hat wirklich bereut! Sie hat ihn ins Bett gezwungen... und... [ sie bricht in Tränen aus ] Er war hilflos!

DOKTOR: Mrs. Vegetable, warum glauben Sie, dass ihr Sohn bereut hat?

MRS.VEGETABLE: Nach diesem - Unfall wurde mein Sohn religiöser. Er fing an, über Gott zu sprechen, bekannte sich aber zu keiner bestimmten Religion. Wir gingen kurz danach nach Kaito und er kaufte mehrere Reliquien auf dem Markt: Das Heilige Fahrrad, ein Kaninchen namens St. Robby... Er war sich sicher, dass Gesicht Gottes in diesem Kaninchen zu sehen und er fuhr mit dem Fahrrad Meilen um Meilen. Ich war sehr geduldig mit ihm und versuchte ihn zu überzeugen, dass er mit einem gewöhnlichen Kaninchen sprach. Nach einem Monat ließ er das Kaninchen laufen und warf das Fahrrad weg. Aber er konnte nicht aufhören, zu suchen.

DOKTOR: Mrs. Vegetable, auch Ärzte halten nach Gott ausschau.

MRS.VEGETABLE: Oh?

DOKTOR: Vor einigen Jahren haben wir einen viertägigen Ausflug in die Wildness von Zentral-Afrika gemacht. Wir suchten speziell nach den tödlichsten Tieren: hungrige Löwen, giftige Schlangen und wütende Nashörner. Es war wohl der Wunsch nach etwas Gefahr außerhalb des Berufs-Alltags, der uns raus trieb. An einem der Tage behauptete mein früherer Assistent plötzlich, er habe Gott im Rachen eines Löwen gefunden. Das konnten wir zwar nicht nachprüfen, aber er schien sehr überzeugt zu sein.

MRS.VEGETABLE: Ich glaube Ihnen, Ich glaube Ihnen! [ She laughs, startled ]

DOKTOR: Es war ein sehr schmerzhafter Tod. Er wollte uns unbedingt den Beweis liefern und der Löwe machte sein Maul zu. Wir reisten noch am selben Tag ab, aber immer wieder zieht es Kollegen von mir nach Afrika.

MRS.VEGETABLE: Was für eine grauenhafte Geschichte!

DOKTOR: Dann war da noch mein erster Tag als Chefarzt im Lion's View. Die Patientin war eine junge Frau, die bereits als hoffnungslos beschrieben wurde. Eine Gehirn-Operation sollte durchgeführt werden und weder ich noch meine Assistenten hatten praktische Erfahrungen auf diesem Gebiet gemacht. Wir haben also die Schädeldecke geöffnet und sahen das menschliche Gehirn, das mehr oder weniger wie ein Haufen dicker Nudeln aussieht. Ich versuchte hochkonzentriert die ersten Schritte durchzuführen und ließ mich auch durch eine Krankenschwester nicht stören, die ich nebenbei um Ruhe bat. Kurz danach stürmten Reporter durch die Tür, die Fenster und die Wände, um über die Operation zu berichten. Im Blitzlichtgewitter rutschte mir meine Hand aus und ich hielt überrascht einen Teil Gehirnmasse in den Händen. Die Kameras fingen alles ein und ich versuchte, halbwegs die Fassung zu bewahren.

MRS.VEGETABLE: War dies nicht das Ende von Lion's View?

DOKTOR: Nein, ganz im Gegenteil: Es machte uns im ganzen Land populär. Es gab sogar viele Briefe von jungen Menschen, die unbedingt vom "gutaussehenden Doktor aus dem Fernsehen" operiert werden wollten.

[ Im Hintergrund erklingt unheimliche Musik ]

Woher kommt diese Musik?

MRS.VEGETABLE: Die Musik soll Spannung erzeugen. Mein Butler glaubt, dass sie jede Unterhaltung bereichert.

DOKTOR [ sauer ]: Ich hasse das! Er soll damit aufhören!

[ Die Musik erkling unbeeindruckt weiter ]

MRS.VEGETABLE: Nun, wie ich bereits sagte, suchte mein Sohn nach dem wahren Bild von Gott. Die Plätze, an denen wir suchten wurden immer exotischer-

[ Simon tritt ein ]

SIMON: Entschuldigen Sie die Unterbrechung, aber es ist ein Telefonat für Dr. Cuckoo eingegangen.

DOKTOR: Wer ist am Apparat?

SIMON: Lion's View, Sir. Sie sagen, es sei ein Notfall.

DOKTOR: Dann muss ich Sie wohl für heute verlassen, Mrs.Vegetable. Ich hoffe, wir können unsere Unterhaltung ein anderes Mal fortsetzen.

MRS.VEGETABLE: Morgen, gleiche Zeit?

DOKTOR: Ich werde da sein.

DIM OUT

 

DRITTE SZENE

 

[ St. Mary's. Catherine sitzt rauchend an einem Tisch und starrt in Richtung Fenster. Die Schwester tritt ein. ]

 

SISTER [ empört ]: Catherine, Sie rauchen!

CATHERINE: Dafür sind Zigaretten da, Schwester.

SISTER: Geben Sie mir die Zigarette oder ich mache eine Meldung!

CATHERINE [ bockig ]: Nein.

SISTER: Sie werden diesen Mangel an Respekt bereuen! Ich habe davon gehört, was Sie den siebzehn Schwestern vor mir angetan haben!

CATHERINE: Ok, ok, ich gebe auf...

[ Sie drückt die Zigarette mit dem glimmenden Ende auf die Hand der Schwester. Letztere schreit vor Schmerz auf. ]

SISTER: Ich brenne, ich brenne! Sie haben mir das angetan!

CATHERINE: Ich habe Sie nicht verbrannt.

SISTER: Und was ist das?

[ Sie zeigt Catherine ihre Hand. ]

CATHERINE: Das ist eine Brandwunde.

SISTER: Und Sie sind dafür verantwortlich!

CATHERINE: Nein, nein, das war ich nicht. Es war die Zigarette.

SISTER: Sie machen die Zigarette dafür verantwortlich?

CATHERINE [ glücklich ]: Genau!

SISTER: Sie zeigen respektlosigkeit, greifen mich an und behaupten dann noch, Sie wären unschuldig!?

CATHERINE: Sie verstehen mich nicht, Schwester: Ich habe Sie nicht wirklich verwundet.

SISTER: So- und wie würde "eine echte Wunde" aussehen?

CATHERINE: Ungefähr so -

[ Sie nimmt ihr Feuerzeug, das sie unter ihrem Kleid versteckt hat und zündet das Kleid der Schwester an. Sofort fängt es Feuer und die Schwester gerät in Panik. ]

SISTER [ am brennen ]: Ich verbrenne, ich verbrenne!

CATHERINE: Richtig, jetzt brennen Sie.

[ Die Schwester rennt panisch aus dem Raum. Catherine ist nicht besonders beunruhigt und zündet sich langsam eine zweite Zigarette an. Sie schaut wieder aus dem Fenster. ]

CATHERINE: Hmm, Schwester Nummer 17 war weniger hysterisch...

[ Im Flur nahe Catherines Raum gehen Mrs. Holey, die Mutter von Catherine und George, Cathies Bruder, entlang. George trägt einen feinen grauen Anzug und wirkt sehr selbstsicher bis arrogant. Er raucht. Die brennende Schwester kommt ihnen entgegen. ]

SISTER [ verzweifelt ]: Helfen Sie mir, Hilfe!

MRS.HOLEY [ süßlich ]: Gaaawwwgggeeee! Hilf ihr, du son-of-a-bitch.

GEORGE: Sicher, Mama. Hey, Schwester, wie wäre es mit einem Candelight-Dinner? Heute nacht, wir zwei?

SISTER: Ich verbrenne! Ich verbrenne!

MRS.HOLEY: Sie braucht sicherlich eine andere Art von Hilfe.

GEORGE: Ah, richtig. Nun, Schwester, Sie sollten besser einen Arzt aufsuchen - sie brennen und sie riechen ganz übel!!

[ Sie setzen ihren Gang fort ]

MRS.HOLEY: Manchmal kannst du ein wahrer Engel sein, Gawge!

GEORGE: Sicher - und außerdem sehe ich gut aus, bin intelligent, elegant und bescheiden.

[ Sie klopfen an Catherines Tür ]

[ Catherine schaut immer noch aus dem Fenster und raucht ]

CATHERINE: So schnell Ersatz?

MRS.HOLEY: Catherine, liebes! Oh, Catherine... [ Sie umarmt die etwas überraschte Catherine ] Sieht sie nicht wunderschön aus, Gawge Pawge?

GEORGE [ kritisch ]: Zumindest für ihre Verhältnisse - aber ich spiele in einer ganz anderen Liga!

MRS.HOLEY [ unschuldig ]: Ah, George! Halt dein Mäulchen, du son-of-a-bitch!

CATHERINE: Du nennst ihn immer noch son-of-a-bitch?

MRS.HOLEY [ triumphierend ]: Seit er ein kleines Baby war!

GEORGE: Bitte fang nicht wieder damit an, Mutter!

MRS.HOLEY [ gekünsteltes Lachen ]: Sie sieht wirklich fantastisch aus, nicht war? Wo ist die Schwester?

CATHERINE [ emotionslos ]: Sie brennt.

MRS.HOLEY [ nimmt sie nicht sehr ernst ]: ...und wir finanzieren dieses faule Pack mit unseren Steuern! Sie wird nicht fürs brennen bezahlt! Gawge, bitte schließ die Tür.

[ Er schließt die Tür. ]

CATHERINE: Du willst mit mir doch sicherlich nicht über die Schwester sprechen, oder?

GEORGE [ zu Catherine ]: Cathie, wir brauchen deine Hilfe! Wir brauchen deine Hilfe!

CATHERINE: Ich brauche auch Hilfe.

GEORGE [ hart ]: Sei nicht so egoistisch, Cathie!

MRS.HOLEY: Das ist keine Art, mit deiner Schwester zu sprechen, Gawge.

GEORGE [ äfft sie nach und übertreibt ]: Das ist keine Art, mit deiner Schwester zu sprechen, Gawge.

[ Er verlässt den Raum ]

MRS.HOLEY: Du musst ihn entschuldigen - er ist eben nur ein - son-of-a-bitch.

CATHERINE: Ich habe mit ihm zwanzig Jahre unter einem Dach gelebt, Mutter. Ich kenne ihn - und dich auch.

MRS.HOLEY: Und ich kenne dich auch, Liebes! [ sie lacht gekünstelt ] Es sieht also so aus, als würden wir uns alle kenne, so wie eine glückliche Familie!

CATHERINE: Wo ist Tante Vi?

MRS.HOLEY: Sie lebt immer noch in diesem Haus. Es ist wirklich bedauerlich, dass sie uns nicht begleiten möchte, aber du solltest sie unbedingt bald sehen. [ schaut zur Tür ] Gawge! Wo steckst du?

[ George kommt zurück ]

GEORGE: Sie brennt immer noch. Erstaunlich.

CATHERINE: Ich sagte ja, dass dies ein grausames Krankenhaus ist.

MRS.HOLEY: Was hast du gemacht, Gawge? Es ist plötzlich so still!

GEORGE: Ich habe der Schwester unsere Situation erklärt und ihr gesagt, dass sie woanders weiter brennen soll. Deine Schwester ist sehr verständnissvoll, Cathie.

MRS.HOLEY: Nun, wo waren wir stehengeblieben? Du weißt doch, Cathie, dass Sebastian uns in seinem Testament bedacht hat? Mittlerweile hat George einen von seinen Stiften geerbt-

GEORGE [ unterbricht ]: Einen Wegwerf-Kugelschreiber!

MRS.HOLEY: - aber der ganze Rest wird weiter blockiert und wir haben nicht die Mittel, um Violet aufzuhalten. Sie verachtet uns!

GEORGE: Du bist unsere einzige Chance.

MRS.HOLEY: Jetzt geht es ihr etwas besser - aber wie lange noch? Mit Rücksicht auf deine Gesundheit besuchen wir dich erst jetzt, Cathie.

GEORGE [ sarkastisch ]: Ja, wir waren zu beschäftigt mit Interviews...

MRS.HOLEY [ heiseres Lachen ]: Gawge, lass' die Scherze! Bitte glaube mir, Cathie: niemand in dieser Stadt weiß, was du durchstehen musst - niemand. Oft werden wir gefragt, aber wir behaupten einfach, du würdest im Ausland studieren.

GEORGE: Sie hat ihnen erzählt, dass du in Glasgow, Deutschland studieren würdest.

MRS.HOLEY: Ach, wem fällt das schon auf!

GEORGE: ... und dann erzählst du, ich sei ein bekannter Dressman in New York City, Westküste der Vereinigten Staaten.

MRS.HOLEY: Niemand hat uns widersprochen.

GEORGE: Es reicht mir! Ich will mich nicht mehr länger mit Leuten abgeben, die nicht wissen, wo die Westküste oder New York liegt! Ich verdiene ein besseres Leben! [ zu Cathie ] Cathie, bitte erzähl Tante Vi einfach die Wahrheit - für mein Wohl, für unser Wohl, für unser Land und den Rest der Welt?

CATHERINE: Was soll ich anderes sagen außer der Wahrheit?

MRS.HOLEY: Aber wenn du wieder diese fürchterliche Geschichte erzählst, wird Violet das Testament anfechten. Es wird Jahre dauern, bis die Gerichte entschieden haben!

GEORGE: Es ist so einfach - erzähle Tante Vi einfach das, was sie hören möchte und wir werden alle zufrieden sein. Du wirst wieder nach Hause kommen dürfen und wir können dann in Luxus schwelgen für den Rest unseres Leben-

[ Sie lacht unkontrolliert. ]

GEORGE: Warum lachst du mich aus? Cathie, verstehst du mich nicht?

CATHERINE: Oh, ich verstehe dich sehr gut - aber deine Worte sind lächerlich, kleiner Bruder. Selbst wenn ich ihr eine andere Geschichte erzählen würde, würden sie mich mit einer Spritze zur Wahrheit zwingen.

MRS.HOLEY: Wir leben in einer zivilisierten Gesellschaft, Cathie. Du musst einfach aufhören, diese verrückte Geschichte zu erzählen, oder wir haben bald einen öffentlichen Skandal!

CATHERINE: Wenn wir in einem zivilisiertem Land leben, warum brennt dann die Schwester?

GEORGE: Weil du sie angezündet hast.

CATHERINE: Dann bin ich wohl kein zivilisierter Mensch.

GEORGE: Ja, genau das bist du, Cathie. Du bist ein eingebildetes, unzivilisiertes, egozentrisches Biest!

MRS.HOLEY: Gawge, du bist das einzige Biest in diesem Raum!

GEORGE: Du bist krank, du warst immer - krank!

CATHERINE: Und du siehst längst nicht so gut aus wie ich, kleiner Bruder!

[ George wendet sich ab und bricht in leises Winseln aus ]

MRS.HOLEY: Catherine, Catherine, du solltest dich bei ihm entschuldigen! Du weißt doch was für eine sensible Seele er ist - und wir brauchen das Geld. George hat Ambitionen! Wir haben ein Anrecht auf unseren Teil am Erbe von Sebastian; also bitte bitte, lass uns nicht im Stich? Versprochen? Für deine Mutter?

2ND SISTER [ außerhalb der Bühne ]: Miss Catherine, ich bin die neue Schwester. Ich habe Anweisungen, Sie in das Hospital Lion's View zu bringen.

MRS.HOLEY: Wir sollten wohl besser gehen... Cathie, ich hoffe, du verstehst uns-

CATHERINE: Ich verstehe.

MRS.HOLEY: [ gequältes Lächeln ] Schön. Wir besuchen dich bald wieder.

[ Sie verlassen den Raum und gehen an der Schwester vorbei. ]

[ Im Flur. ]

GEORGE: Ich sehe doch besser aus - oder etwa nicht?

MRS.HOLEY: Natürlich tust du das. Deine Schwester ist krank, Pawge, sie kann kaum klar denken. Aber du bleibst mein Pawge-Gawge!

GEORGE: Oh, Mama! [ er fängt an zu weinen ]

2ND SISTER [ schreit ]: Ich verbrenne, ich verbrenne!

MRS.HOLEY: Diese Schwestern sind aber heute sehr laut. Müsste ich hier leben, ich würde glatt verrückt werden!

GEORGE: Recht hast du - ah, ich sollte mit dem Rauchen aufhören. [ er wirft die Zigarette weg ]

 

VIERTE SZENE

[ In Mr. Harrows Büro. Er ist sehr aufgeregt und nervös, während er sich mit Dr. Cukrowicz unterhält. Der Doktor wirkt ebenfalls nicht mehr so ruhig wie am vorigen Tag. ]

 

MR.HARROWS: Ich kann beim besten Willen kein Problem erkennen, Cukrowicz. Cukrowicz!

DOKTOR: Ich höre Ihnen zu, Sir.

MR.HARROWS: Sie behaupten in Ihrem Bericht, dass sich Mrs. Vegetable irren könnte? Die reiche Mrs. Vegetable! Ich weiß nicht, wann Sie Ihren letzten Auffrischungskurs in Psychologie hatten, aber diese Frau hält die Mittel für unsere Rettung in Ihrer Hand! Sie bringen mich noch ins Grab. [ Er öffnet eine Schreibtisch-Schublade ] Oh, ich brauche meine Medizin... und zwar schnell... [ Er kippt sich fünf orangefarbene Pillen in den Mund ]

DOKTOR: Sie sind abhängig von Tabletten?

MR.HARROWS: Vitamin-Tabletten, ja. [ beruhigt sich ] Sind Sie nach irgendetwas süchtig, Cukrowicz?

DOKTOR: Ich bin süchtig nach Musicals. Sobald ich eines höre, kann ich nicht anders - ich werde ein komplett anderer Mensch.

MR.HARROWS: Eine sehr eigenartige Sucht. Übrigens, St. Mary's ist abgebrannt.

DOKTOR: Ganz?

MR. HARROWS: Bis auf die Grundmauern. Cukrowicz, wir leben in schweren Zeiten und es ist sicherlich sehr bedauerlich, was dort vorgefallen ist. Aber Mrs. Catherine Holey hat überlebt, also verschwenden Sie keine Gedanken an die anderen.

DOKTOR: Sir, Ich habe ernste Bedenken. Mrs. Vegetable scheint mir nicht ganz zurechnungsfähig zu sein.

MR.HARROWS: Kann ich einmal Ihre Notizen zum Bericht sehen?

DOKTOR: Hier, bitte. [ er reicht Mr. Harrows seine Notizen ]

MR.HARROWS: ...vertraut niemanden... kein Gespür für Lyrik... gewalttätig... neigt zu Übertreibungen... etwas verrückt... möglicherweise geisteskrank... launisch...

[ zu Cukrowicz. ] Ich denke, das trifft auf uns alle in gewißer Weise zu, Cukrowicz. Sollen wir etwa fünf Milliarden Menschen als nicht zurechnungsfähig bezeichnen?

DOKTOR: Aber nicht alle fünf Milliarden Menschen verlangen von mir einen Eingriff am Gehirn.

MR.HARROWS [ skeptisch ]: Was wollen Sie?

DOKTOR: Ich benötige mehr Zeit.

MR.HARROWS: Zeit ist ein Luxus, den wir uns nicht mehr länger leisten können. Ich habe Mrs. Catherine nach Lion's View gebracht. Die Vorsorgeuntersuchung ist bereits abgeschlossen und der Operationssaal vorbereitet.

DOKTOR: Sir,...

 

[ Währenddessen in Catherines kleinem Raum. Sie hat fertig geraucht, geht langsam zur Tür und verlässt ihr Zimmer vorsichtig. Angestellte des Hospitals gehen den Flur entlang, beachten sie aber nicht weiter. Dennoch hält sie Ausschau, um nicht einer Schwester zu begegnen. ]

1ST DOKTOR [ aus dem Off ]: Ja, aber ich denke, dass die serpens-in hortum imanum humanum est spirito del vino eines der eigenartigsten Krankheitssymptome meiner Karriere ist.

2ND DOKTOR [ aus dem Off ]: Aber mein guter Freund! Berücksichtigen Sie doch die permansio vexator exactus gallus gaesum - dann werden Sie sehen, dass die Symptome ganz gewöhnlich sind! Seite 3655 aus dem Medizinbuch!

[ Bevor die Doktoren Catherine erspähen können, flüchtet sie in einen anderen Raum. ]

CATHERINE: Wo bin ich?

[ Sie steht auf einem Balkon, unter ihr fünfzig geistig verwirrte, die sie anstarren und lachen, lächeln oder schmutzige Worte rufen. Catherine versucht die Tür zu öffnen, aber sie klemmt. Während sie an der Tür rüttelt, versuchen die Verrückten zum Balkon zu klettern. ]

CATHERINE [ schreit ]: Nein! Nein!! Nein!!!

MAD PEOPLE: Mnugblabla, ghuzii...

CATHERINE [ brüllt ]: Verschwindet! Verschwindet!!

[ Plötzlich stimmen die verrückten Menschen einen Ton an: Sie summen und scheinen etwas zu erwarten. ]

CATHERINE: Was- was wollt ihr?

[ Die Menge versucht, eine bekannte Melodie zu summen. ]

CATHERINE: Ich werde nicht singen!

[ Sie rüttelt wieder an der Tür, die Menge hört auf zu summen und versucht sie zu erreichen. ]

CATHERINE [ verzweifelt ]: Geh' auf! Geh' auf! [ Sie schaut panisch die Menschenmenge an und denkt kurz nach ] O-Ok, ich werde singen? Wollt ihr das?

[ Die Menge fängt zufrieden an zu summen. ]

CATHERINE [ leise ]: Hoffentlich rettet mich bald jemand...

[ Die Menge ist glücklich. Catherine versucht sich zu fangen, um den richtigen Moment für den Gesang zu finden. ]

CATHERINE [ leise ]: Eins...zwei... eins, zwei, drei, vier...

[ singt ] I still remember, the days when we were young.

   When we laughed in the evening and had so much fun.

   You must believe me, all that I've done is for you that is true.

   [ Sie summen lauter; Catherine pausiert kurz. ]

   My ears are closed, my eyes are so cold

   and you should remember what I am telling you now.

   I still love you, cause you make me feel that I'm not alone -

   although you dressed up to the night.

   [ Sie warten auf den Refrain. ]

   Don't cry for me, Chicago! [ Die Menge applaudiert ]

   The truth is I never left you!

   All through my wild days, my mad existence...

   I saw your traffic - don't keep the distance.

MAD CHOIR:   Don't keep the distance.

CATHERINE:   This song is a torture, I can tell that.

   [ Jemand versucht die Tür aufzubrechen. Catherine bekommt davon nichts mit. ]

   Don't cry for me, Chicago. [ Sie summen. ]

   [ Sie macht eine Pause, die Menge applaudiert wild. ]

   Don't cry for me, Chicago... [ Sie summen wieder, der Applaus ebbt ab. ]

[ Die Tür bricht auf, der Doktor sieht Catherine, hört ihren Gesang und ist wie paralysiert. ]

DOKTOR [ fasziniert ]: Wundervoll...

CATHERINE:   The truth is I shall not with you,

   all through my wild days my mad existence...

[ Doktor geht zu Catherine, vorsichtig und immer noch voller Bewunderung ]

DOKTOR [ singt ]: I kept your promise...

[ Catherine sieht ihn und lächelt ihn schüchtern an. ]

CATHERINE & DOKTOR: Don't keep your distance.

[ Die verrückte Menge macht einen Höllenlärm: Applaus, lauter Jubel und viele gerührte Gesichter. Langsam verlassen Catherine und der Doktor der Raum Arm in Arm. ]

 

[ Zurück in Catherines Raum im Lion's View. Der Doktor spricht mit ihr. ]

DOKTOR: Nun, Catherine, warum möchten Sie sich das Leben nehmen?

CATHERINE: Ich weiß, dass sie mich operieren werden, Doktor. Ein Eingriff an meinem - Gehirn.

DOKTOR: Wie kommen Sie darauf?

CATHERINE: Ich habe Sie schon einmal in der Zeitung gesehen. Sie lächelten und hielten in der einen Hand ein Stück Gehirn...

DOKTOR [ lügt ]: Catherine, diese Geschichte war doch eine reine Lüge. Es war mein Halloween-Kostüm und die Presse hat daraus eine große Sache gemacht. Ich habe noch nicht entschieden, ob ich diese Operation durchführe...

CATHERINE: Ich möchte nicht operiert werden, Doktor.

DOKTOR: Hören Sie, Catherine: Heute treffe ich Mrs. Vegetable und werde noch einmal mit ihr sprechen. Aber ich denke, Sie möchte noch einmal Ihre Version hören. Versprechen Sie mir, dass Sie sich in der Zwischenzeit nichts antun?

CATHERINE [ schluckt ]: Versprochen.

 

FÜNFTE SZENE

[ Der Doktor ist zu seinem zweiten Besuch bei Violet Vegetable eingetreffen. Sie unterhalten sich in der Bibliothek des Hauses. Cukrowicz summt immer noch die Melodie von 'Don't cry for me, Chicago'. ]

MRS. VEGETABLE: Ja, er suchte nach Gott- was für Strapazen wir deswegen auf uns genommen haben! Es war einer dieser unzähligen Strände, an dem ein jährliches Spektakel zu beobachten war. Kleine Meeresschildkröten schlüpften und krabbelten verzweifelt Richtung Meer. Alles war in Bewegung und Sebastian war fasziniert von dem Treiben, sein Auge studierte jede Regung auf dem Strand.

DOKTOR: Alles war in Bewegung?

MRS. VEGETABLE: Am Himmel flogen hunderte - nein, tausende! - Vögel, die nur auf das Schlüpfen gewartet hatten. Mit großem Geschrei griffen sie an, schnappten nach den Schildkröten und fraßen sie, während die anderen weiter Richtung Meer krabbelten.

DOKTOR: Was passierte dann?

MRS. VEGETABLE: Plötzlich tauchten Menschen auf - ihre Kleidung war zerfleddert, in ihren Händen hielten sie Steine und alte Gewehre. Sie griffen die Vögel an und aßen ihr Fleisch. Es war ein grauenhafter Anblick - die Menschen töteten die Vögel, die wiederum die Schildkröten töteten. Der Sand war blutgetränkt und manche der Vögel griffen die Menschen an. Sebastian war entzückt. Dann stürmten auch noch einige Raubtiere auf den Strand, die aus dem Zoo entkommen waren und attackierten die Menschen, Vögel und Schildkröten!

DOKTOR: Unglaublich! Wie lange hat ihr Sohn das Ereignis beobachtet?

MRS. VEGETABLE: Es ging die ganze Nacht lang und das töten hörte einfach nicht auf. Als ich am Morgen aufwachte, erzählte er mir aufgeregt: 'Jetzt habe ich ihn gesehen!'. Ich fragte: 'Wen hast du gesehen?'. 'Den Postboten', antwortete er. Ich fragte: 'Wo ist er?'

DOKTOR: Was hat er darauf erwiedert?

MRS. VEGETABLE: Er sagte: 'Getötet von den Vögeln.'. Aber er hat mir nicht die ganze Wahrheit erzählt. Auf dem Weg nach Indien offenbarte er mir, dass er das Gesicht Gottes gesehen habe.

[ Dramatische Musik setzt ein. ]

Er glaubte, dass durch dieses grauenhafte Ereignis am Strand sein Blick klar werden würde. Als wir in Delhi eintrafen, wurde er sehr krank und litt für einige Wochen unter Fieber.

DOKTOR: Wann gingen sie nach Indien?

MRS. VEGETABLE: Es ist schon so lange her... Im Sommer traf er auf eine sehr fremdartige Religion in den Himalayas und wäre fast Mönch geworden. Das einzige, was sie den ganzen Tag machten, war nackt schreiend auf den Straßen herumzurennen. Während unseres Urlaubs erreichte mich ein Telegramm von meinem Mann: 'Mr. Vegetable in kritischem Zustand Stopp Kehren Sie sofort zurück Stopp Telegramm sehr teuer Stopp Bitte nicht stoppen Stopp Stoppen Sie Ihren Indien-Besuch Stopp Datum des Telegramms...'

DOKTOR: Was geschah dann?

MRS. VEGETABLE: Ich blieb mit meinem Sohn in Indien. Gemeinsam durchstanden wir seine Krise, ich holte ihn von der Strasse und gab ihm seine Kleidung wieder. Danach begannen wir einen Neuanfang: Die höchsten Gesellschaftskreise empfingen uns mit offenen Armen, wir lebten in einer perfekten Welt. Übrigens hielt ich die Krankeit meines Mannes für einen Scherz.

DOKTOR: War sie das?

MRS. VEGETABLE: Mehr oder weniger, obwohl - er war tatsächlich krank. Nichts ernsthaftes eigentlich, aber er starb. Ich habe nie erfahren, woran.
Wie dem auch sei, Sebastian und ich begannen ein neues Leben und wurden fortan immer in einem Atemzug genannt: 'Violet und Sebastian' oder 'Sebastian and Violet'. Wir reisten zu den feinsten gesellschaftlichen Anlässen und mein Sohn genoss es. Er suchte nach Menschen, die gut aussahen oder talentiert waren. Dafür hatte ich Verständnis.

DOKTOR: Hatte Ihr Sohn ein, wie soll ich sagen - Privatleben?

MRS. VEGETABLE: Es gibt einige Personen, die hinterhältige Attacken auf meinen Sohn gestartet haben, aber ich kenne die Wahrheit: Sebastian war keusch und ich habe ihn immer verteidigt. Ihm zuliebe habe ich sogar eine Partei gegründet.

DOKTOR: Ah, richtig, ich glaube darüber stand etwas in der Zeitung. War es die "Sebastian's Moral for America"-Partei?

MRS. VEGETABLE: Richtig. Ich versuche, die Werte, die ich Sebastian mitgegeben habe, auch unserer Gesellschaft zu vermitteln. Übrigens ist unsere Partei sehr interessiert an Ihrer Arbeit.

DOKTOR: Danke. Ich hörte, Sie haben eine Lösung für unsere finanziellen Probleme?

MRS. VEGETABLE: Wenn Sie die Operation durchführen, ja.

DOKTOR: Es bestehen erhebliche Risiken.

MRS. VEGETABLE: Ich weiß.

DOKTOR: Sie könnte sterben.

MRS. VEGETABLE: Ich weiß.

DOKTOR: Möglicherweise fällt sie nach der Operation ins Koma oder wird Geisteskrank.

MRS. VEGETABLE: Ich weiß.

DOKTOR: Und?

MRS. VEGETABLE: Nun, das sind doch alles gute Gründe, sie zu operieren, nicht wahr?

[ geheimnisvolle Musik ]

DOKTOR: Sie erwarten doch nicht, dass ich unter diesen Umständen operiere!

MRS. VEGETABLE: Dann werden Sie nie wieder eine Operation durchführen, Doctor Zucker.

DOKTOR: Meine Entscheidung treffe ich morgen und weder Sie noch Mr. Harrows können daran etwas ändern.

MRS. VEGETABLE: Wir werden sehen, Doktor. Ich erwarte Sie, Mr. Harrows und das Mädchen morgen um sieben Uhr in meinem Garten.

[ Sie verlässt den Raum. ]

DIM OUT

 

SECHSTE SZENE

 

[ Mrs. Vegetable sitzt bereits auf der Veranda in der Nähe des Garten. Der Doktor, Catherine, Mrs. Holey, Mr. Harrows und George treten ein. George wirft einen neidischen Blick auf den Doktor, der, etwas älter als George, in seinem Anzug eine bessere Figur macht. ]

 

MRS. HOLEY: Tante Vi! Wie lange haben wir uns nicht gesehen!

MRS. VEGETABLE: Maul halten, sonst landen Sie auch auf dem Operationstisch! [ betont höflich ] Möchte irgendjemand etwas zu trinken?

GEORGE: Einen Gin Tonic, geschüttelt.

MR. HARROWS: Einen starken Whiskey mit zwei Eiswürfeln, bitte.

DOKTOR: Einen Frozen Daiquiri.

MRS. HOLEY: Wodka mit einem Schuß Orangensaft für mich, bitte.

CATHERINE: Nur Milch.

MRS. VEGETABLE: In Chicago grasen keine Kühe.

MRS. HOLEY: Oh, Cathy ist einfach nur sie selbst.

MRS. VEGETABLE [ verärgert ]: Was soll sie auch sonst sein!

MRS. HOLEY: Gaawwwgeee, erzähl Tante Vi wie dankbar du für Sebastians Stift bist.

GEORGE: Aber ich habe ihn weggeschmissen, Mutter.

MRS. VEGETABLE: Und das ist der Grund, warum das Erbe meines Sohnes nie in die Hände eines solchen Gesindels gehen sollte - sie würden es nur wegwerfen!

GEORGE: Ich würde das Geld nicht verschwenden! Ich bin jung, gut aussehend, habe Ambitionen...

MRS. HOLEY: Gawge, rede nicht übers Geld!

[ Catherine macht fasziniert einige Schritte nach vorne. ]

CATHERINE: Eigenartig, diesen Ort wieder zu sehen - es scheint alles so seltsam...

DOKTOR: Ich denke, wir sollten beginnen.

GEORGE [ aggressiv ]: Wer ist dieser Kerl überhaupt?

MRS. VEGETABLE: Das ist Dr. Cukrowicz. Er sagt, sein Name bedeute 'Zucker', also können wir ihn Dr. Zucker nennen.

[ George lacht laut. ]

GEORGE: Zucker, Zucker, Baby!

DOKTOR [ lächelt grimmig ]: Ein Telefonanruf und morgen gibt es eine Operation mehr...

MRS. HOLEY: Bitte beachten Sie ihn nicht weiter, Doktor. Gawge ist einfach nur Gawge.

MRS. VEGETABLE: Wir verlieren wertvolle Zeit. Doktor, beginnen Sie - ich möchte dies so schnell wie möglich hinter mich bringen. Fragen Sie, wie diese Person meinen einzigen Sohn umgebracht hat! Ich hätte ihn noch retten können, aber sie verführte ihn, sie hat ihn gegen mich aufgehetzt!

CATHERINE: Du warst nicht in der Lage, mitzukommen. Du hattest eine -

MRS. VEGETABLE: Was hatte ich? Ist es zu lächerlich, dass zu sagen? Ja, ich habe eine Phobie vor Seevögeln bekommen, aber uns verfolgten nicht tausende von Seevögeln. Ich hatte sie mir nur vorgestellt, wie sie flogen, auf uns einhackten - aber es war jedenfalls nur eine vorübergehende Einbildung. Kein Grund, mich gleich nach Hause zu schicken! Diese drei Menschen hatten von Anfang an nur im Sinn, mich ins Grab zu befördern und an das Erbe Sebastians zu gelangen. Die Mutter eine Alkoholikerin, der Sohn ein Nichtsnutz und die Tochter hat meinen Sohn im Winter entführt...

GEORGE: Nun, Mutter war einfach nur Mutter. Und Sebastian war einfach nur Sebastian...

CATHERINE: Ich kann nicht ändern, was in Cabeza de Lobo geschah!

MRS. VEGETABLE: Sie hat ES mit ihm gemacht!

GEORGE: Was?

MRS. HOLEY: Oho, ein Quiz! Fängt es mit 'D' an?

MR. HARROWS: Ich tippe auf 'G'.

MRS. VEGETABLE [ zittrig ]: Das Wort beginnt mit einem 'S'.

GEORGE: Surfen? Saunen?

MRS. VEGETABLE: Der zweite...Buchstabe ist ein 'E'.

GEORGE [ resigns ]: Ich geb' auf.

MRS. VEGETABLE: Es ist SEX, du Idiot!

CATHERINE. Wir hatten keinen Sex. Er mochte mich und ich liebte ihn, aber es war nie etwas sexuelles.

[ Der Doktor macht Notizen. ]

MRS. VEGETABLE: Unwichtig - sie hat ihn umgebracht.

DOKTOR: Bitte, ich denke es ist an der Zeit, die wahre Geschichte zu hören.

CATHERINE: Doktor?

DOKTOR: Als ihr Arzt brauche ich ihr volles Vertrauen. Also, Catherine, vertrauen Sie mir?

CATHERINE: Ich vertraue Ihnen, Doktor.

DOKTOR: Ich geben Ihnen jetzt eine Spritze, die Ihr Erinnerungsvermögen stimulieren wird. Sie sollten dann in der Lage sein, uns alles zu erzählen.

CATHERINE: Ich verstehe.

[ Er gibt ihr die Spritze. Das Licht konzentriert sich auf Catherine und den Doktor. ]

CATHERINE: Oh, es kribbelt.

DOKTOR: Bitte Catherine, erzählen Sie uns, was kurz vor dem Winterurlaub geschah.

CATHERINE: Ich ging an einem Abend zu einem Ball. Der Junge, mit dem ich ausging, umarmte mich kurz, schaut mich an und erzählte mir dann kalt, dass ich für ihn nur ein Spielzeug sei. Er stieg in sein Auto und fuhr weg. Wütend winkte ich ein Taxi heran und folgte ihm. Als ich ihn auf der Tanzfläche erspähte, mit einer anderen Frau tanzend, lief ich zu ihm und schlug ihn. Er war so überrascht, dass er sich kaum wehrte und ich trat und schlug immer stärker. Dies war der Moment, als ich zum ersten Mal Sebastian sah: Er lächelte ein wenig und dann trat er auf ihn mit sichtlichem Vergnügen ein. Danach nahm er mich in den Arm und fuhr mit mir weg. Es war am nächsten Tag, als ich begann, mein Tagebuch in der vierten Person zu schreiben. Die dritte Person erschien mir als nicht distanziert genug. Später rief mich Sebastian zu unserer ersten gemeinsamen Reise.
Soll ich weitererzählen?

DOKTOR: Von Anfang an, bitte.

CATHERINE: Ich denke es begann damit, als Gott die Welt erschuf.

MRS. VEGETABLE: Ha! Sehen Sie, sie ist verrückt!

GEORGE: Kleine Schwester...

DOKTOR: Ruhe! Catherine, beginnen wir mit dem letzten Winter - der letzten Reise von Sebastian.

CATHERINE: Ja, der letzte Winter. Sebastian hörte nicht auf mir Geschenke zu machen, wir fuhren nach Paris und Mailand und er kleidete mich neu ein. Manchmal dachte ich wirklich, er würde mich lieben, aber etwas trieb ihn [ dramatische Musik ] und er schaute immer rastlos auf das "Red Jay"-Notizbuch.

DOKTOR: Notizbuch?

MRS. VEGETABLE: Mein Sohn verwendete es, um Notizen für sein nächstes Werk zu machen: "Lyrik des Winters - Sonderausgabe". Aber es steht nichts drin, außer einem "Aaargghhh!".

CATHERINE: Ich hatte Angst, dass er sich in diesem Buch verlieren würde und ich spürte, wie er sich veränderte. Aber ich erreichte ihn einfach nicht mehr wirklich...

MRS. VEGETABLE: Genau wie ich sage - Sie hat ihn ermordet.

DOKTOR: Bitte, Mrs. Vegetable. Catherine, fahren Sie bitte nach ihrer Ankunft in Cabeza de Lobo fort.

CATHERINE: Er kaufte mir einen Badeanzug, den ich nicht anziehen wollte, weil er zu gefährlich war.

DOKTOR: Zu gefährlich?

CATHERINE: Das Wasser macht ihn so schwer, dass man absinkt. [ Sie lacht bitter. ] Er hat mich gezwungen, mit dem Badeanzug ins Wasser zu gehen. Ich sank und er hat mich noch nicht einmal gerettet!

DOKTOR: Hatte er irgendeine Begründung genannt?

CATHERINE: Ich sollte Aufmerksamkeit erregen, Doktor. Der Strand war in zwei Bereiche eingeteilt: einen öffentlichen Abschnitt und einen für reiche Menschen. Geteilt wurde der Strand durch einen alten Zaun, der an vielen Stellen aber schon Löcher hatte. Es waren hauptsächlich ältere Menschen vom öffentlichen Teil des Strands, die über den Zaun kletterten und mich aus dem Wasser retteten. Nachdem ich mich umgezogen hatte, ging ich direkt zum Hotel - Sebastian wollte noch mit den Menschen sprechen.

[ Dramatische Musik ]

DOKTOR: Sie wurden also gerettet. Hat sich an Sebastians Verhalten irgendetwas geändert?

CATHERINE: Ja - er brauchte mich nun nicht mehr, da er sich nun sicher sein konnte, die gewünschte Aufmerksamkeit zu bekommen. Mir fiel auf, dass er immer wieder die obdachlosen, armen Menschen von Cabeza de Lobo traf. Er gab ihnen Geld, so, als hätten sie ihm irgendeinen Dienst erwiesen. Jeden Tag begann die Menge um ihn herum größer zu werden - langsam wurde er selbst immer ängstlicher.

DOKTOR: Also haben sie die Öffentlichkeit danach gemieden?

CATHERINE: Wir aßen zu Mittag in einem Restaurant nahe der Küste. Sebastian sah in seinem weißen Anzug aus wie ein Engel und er lächelte mich immer wieder an. 'Wir sollten fortgehen,' sagte er. 'Diese Stadt ist ziemlich langweilig, nicht wahr?' Ich konnte kein Wort herausbringen. Sebastian schien mit jeder Sekunde meiner Sprachlosigkeit nervöser zu werden. In der Ferne hörten wir blecherne Geräusche. Als wir zur Quelle der Geräusche blickten, sahen wir sie: Alte Menschen, aber auch Kinder, die mit dem musizierten, was sie hatten - Mülltonnen, Kartons... Sie sahen sehr hungrig aus und fingen an über den Zaun zu klettern. Die Geräusche, die sie dabei machten, wurden schnell zu einen ohrenbetäubenden Getöse.

[ dramatische Musik ]

DOKTOR: Woher kommt diese furchtbare Musik schon wieder!?

MRS. VEGETABLE: Es ist Simon. Er ist es einfach nicht gewohnt, alleine zu bleiben und begleitet mich deshalb immer mit seiner Heimorgel.

DOKTOR [ verdreht verärgert die Augen, widmet sich dann wieder Catherine ]: Haben Sie danach das Restaurant verlassen?

CATHERINE: Sebastian war verängstigt, in seinen Augen sah ich Ratlosigkeit. Dann sagte er mir: 'Du darfst sie nicht anschauen, sie sind bloß eine Krankeit. Ein Blick und du könntest auch ...'

DOKTOR: Erzählen Sie weiter.

CATHERINE: Sie haben angefangen für uns zu musizieren! Mülleimer, Dosen, Holzkisten ...die Musik trieb Sebastian in den Wahnsinn! Er sprang plötzlich von seinem Stuhl auf, schreiend, dass Gesicht kreidebleich.
Können Sie sie hören, Doktor? Die Musik, die Musik!

DOKTOR: Bitte fahren Sie fort, Miss Catherine.

CATHERINE: Sebastian aß, wie um mich zu beruhigen, seinen Salat zu ende, trank seinen Kaffee aus und entschied, dass die Zeit zu gehen gekommen sei. Er rief den Kellner und wies ihn an, die Menge aufzuhalten. Der Kellner antwortete auf Englisch, dass man damit Erfahrungen hätte. Zehn starke Männer liefen heraus und schlugen die Menge brutal zusammen. Einige von ihnen konnten nicht mehr aufstehen und die meisten würden wohl den Tag nicht mehr überleben. Als Sebastian dies sah flüsterte er leise etwas wie 'Gott'. In diesem Moment spürte ich, dass ich Sebastian nie wirklich kannte.

Wir verließen also das Restaurant und Cabeza de Lobo wirkte alles andere als sicher: Der Himmel schien eine rötliche Farbe anzunehmen, die Luft war unerträglich heiß und Geräusche und Schreie kamen aus allen Richtungen. Die Sicherheitskräfte waren überfordert, es kamen einfach zu viele Menschen zu dem Strand. Sebastian sagte zu mir: 'Lass' mich das regeln, ich weiß, was zu tun ist.' Er griff mein Handgelenk und rannte mit mir Richtung Stadt. Sebastian versuchte, unsere Verfolger abzuhängen, aber sie waren einfach überall! Die Häuser wirkten leer und verlassen und in den engen Gassen war der Klang der Blechinstrumente in jeder Ecke zu hören. In einer kleinen Straße stolperten wir fast über kleine Meeresschildkröten, die nach dem richtigen Weg zum Meer suchten. Dann hörten wir Schreie, als sich wilde Tiere in die Menschenmenge stürzten und mit ihren Klauen einige unserer Verfolger zu Fall brachten. Sebastian lachte bitter und sagte nur: 'Déjà Vu'. Aber - die Stadt war völlig außer Kontrolle geraten, es wirkt wie die Apokalypse! Erst als wir den Flughafen erreicht haben, konnte ich wieder einen klaren Gedanken fassen.

DOKTOR: Sie sind entkommen?

CATHERINE: Wir dachten, wir könnten noch entkommen. Sebastian und ich stiegen in ein kleines Flugzeug, doch als er es startete und wir uns bereits in der Luft befanden, verdunkelte sich der Himmel plötzlich. Tausende hungrige Meeresvögel griffen unser Flugzeug an und dann hörten die Rotoren auf sich zu drehen! Er schaffte noch eine Notlandung, aber als wir landeten sah ich ihm an, dass er jede Hoffnung auf Rettung verloren hatte. Es war zu spät.

DOKTOR: Warum war es zu spät?

CATHERINE: Es war zu spät um noch zu entkommen! Die Menge hatte uns fast eingeholt und Sebastian schrie mich nur an: 'Lauf! Lauf!' Ich rannte um mein Leben, während er versuchte, die Menschen zu beschwichtigen. Ich habe nicht mehr verstanden, was er gesagt hatte, aber als ich mich kurz umblickte, sah ich auch ihn rennen. Aber sie hatten ihn so schnell eingeholt - die Meute, die wilden Tiere und die Vögel! Sie erwischten ihn auf dem kleinen weißen Hügel und plötzlich konnte er nicht mehr schreien. Es sah so aus, als ob sie ihn auffraßen! Ich konnte nicht mehr weiterlaufen, ich war wie paralysiert und schrie so laut ich konnte.

DOKTOR: Wurden Sie auch verfolgt?

CATHERINE: Sie haben versucht mich zu erwischen, aber als ich sah, wie sich alle Augen auf mich richteten wachte ich auf und rannte, rannte, rannte! Die Vögel griffen mich ständig an und ich fuchtelte mit den Armen. Zusammen mit den Meeres-Schildkröten erreichte ich schließlich das Wasser und ich wurde nicht mehr verfolgt.

[ Mrs. Vegetable springt entsetzt aus ihrem Stuhl und versucht Catherine zu schlagen. Doch der Doktor fängt die wütende Mrs. Vegetable ab, bevor sie Catherine verletzen kann. ]

MRS. VEGETABLE: Lions' View! Schneiden Sie diese niederträchtige Geschichte aus ihrem Gehirn!

[ dramatische Musik ]

DOKTOR: Ich werde nicht operieren.

MRS. VEGETABLE: Sie werden operieren, oder ich werde der Presse die Wahrheit über Lion's View erzählen!

[ dramatische Musik ]

MR. HARROWS: Oh, mein Gott!

DOKTOR: Was sollen wir tun?

MR. HARROWS: Lions' View! Entfernen Sie diese niederträchtigen Behauptungen aus MRS.VEGETABLEs Hirn!

MRS. VEGETABLE: Nein, nein! Sie werden es nicht wagen, mich zu operieren!

MR. HARROWS: Wir haben leider keine andere Wahl, Mrs. Vegetable! Cukrowicz, begeben Sie sich in den Operationssaal! Heute um neun wird operiert!

MRS. HOLEY: Doktor, so sagen Sie doch etwas!

DOKTOR [ überlegt eine Weile ]: Wir sollten in Betracht ziehen, dass Catherine die Wahrheit gesagt haben könnte..

[ Die Holeys verlassen die Bühne und folgen dem Doktor. Ausblenden. ]

Sebastian Vegetable ist tot. Seine Mutter Violet macht dessen Freundin Catherine für den Tod des hoffnungsvollen Lyrikers verantwortlich und blockiert die Freigabe von Sebastians Erbe. Das wiederum gefällt Catherines Verwandten überhaupt nicht. Violet wird das Erbe erst dann freigeben, wenn Catherine die wahre Geschichte erzählt - doch die ist ganz und gar nicht nach dem Geschmack der Mutter. Zwischen allen Stühlen sitzt der begabte Hirnchirurg mit einer Schwäche für Musicals, Dr. Cukrowicz.
Zwischen dem Theaterstück von Williams' und meiner Parodie gibt es ein paar Unterschiede. Der wichtigste ist, dass Sebastians Mutter Vi zwar von allen "Tante" genannt wird, aber mit keiner Person in dieser Geschichte verwandt ist, außer natürlich ihrem, ziemlich toten, Sohn.

 

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