JaapanA very old picture ;-)

Itoe

Meine Freundin Itoe.


Der Hase und der Karottenkämpfer

Eine buddhistische Geschichte.


Abends bei Volker B.

Volker B. - Arbeit - Abgabetermin - Streß, Streß, Streß


Suddenly Last Winter

Ein lustiges Stück rund um Gehirnchirurgie, gierige Erben und smarte Doktoren (Parodie)


Hase & Igel

Die "Hase & Igel"-Geschichte einmal anders.


Insomnia

Ein Schriftsteller, von Schlaflosigkeit geplagt, halluziniert. (Englisch)


Buffy Fan-Fiction

Der Inhalt der alten Buffy-Seite.


Der Hase und der Karottenkämpfer


Ich kauerte im meterhohen Gras. Von meinem Versteck aus, hörte ich grausames, lautes Rascheln, so wie ein riesiger Mähdrescher. Ich kletterte auf einen etwas härteren Grashalm und schaute mich um. Etwa sechs Meter von mir entfernt knabberte ein riesiger, brauner Hase genüßlich Grashalme. Er war über drei Meter groß, und sein dicker, weicher Körper stank nach Karotte. Seine Ohren suchten wie Radargeräte nach neuen Opfern.
Feindselig musterte der Hase einen jungen Kämpfer, der ihm gegenüberstand. Dann schnipste er mit den Ohren - und aus dem nichts tauchten fünf genau identische Abbilder des Hasen auf, die sich angriffsbereit machten und anfingen zu lauern. Nun hörte ich von irgendwoher eine Musik spielen - eine kleine Melodie, kein Orchester -, und die Hasen tanzten begeistert dazu. Ich versuchte mitzuschnippsen, fiel dabei aber vom Halm herunter.
Als ich wieder hochgeklettert war, hatte die Musik aufgehört. Der junge Kämpfer wandte den Kopf nach hinten, nach links, nach rechts und nach oben. Doch sogar oben war ein Hase, der ihn von einer Wolke aus belauerte. Wie ein in die Ecke getriebenes Raubtier schwang er sein Schwert, nein, jetzt erkannte ich, das es eine Karotte war! Er ließ die Karottenspitze hierhin und dorthin zucken. Er hatte keine Chance.
Dumpf ihre Grashalme kauend stürzten sich die Hasen auf ihn. Hinter ihn sauste das mächtige Ohr des Anführers und hieb ihn die Beine ab. Er schrie auf vor Schmerz, sein Blut spritzte und befleckte das Fell der Hasen, die dadurch noch wütender wurden. Der verzweifelte Versuch des Kämpfers, einen weiteren Schlag mit der Karotte abzuwehren, mißlang - sein Kopf fiel von den Schultern und rollte über den Boden.
«Ohhh», stöhnte ich unwillkürlich. Ich mußte mich übergeben, der Anblick des abgetrennten Kopfes war zuviel für mich. Ich sah, wie die Hasen ihren Sieg feierten, sie sprangen in die Luft, belauerten sich gegenseitig und knabberten zufrieden am Gras. Ich beschloß, schnell zu flüchten, bevor mich einer der Hasen entdecken könnte. Doch da packte mich ein Hase mit seinem mächtigen Ohr und zerrte mich von meinem Halm und schleuderte mich zu Boden. Ich schlug die Augen auf - und sah, nur Zentimeter von mir entfernt, die toten Augen im abgeschlagenen Haupt des jungen Kriegers. Sie mahnten mich an mein Ende - und ich übergab mich schon wieder.
Und dann vernahm ich die mächtige Stimme eines der Hasen: «Nimm Abschied vom Leben, junger Narr!» Sein Hohn trieb mich zur Raserei: Ich sprang auf und ergriff die Karotte des gefallenen jungen Kriegers.
«Mich hat ein anderer schon einen Narren genannt - und das war, weiß Gott, ein besserer Hase - äh, Mann als du!» Mit einem Kampfschrei stürzte ich auf den Hasen los.
Doch die Wucht seines Abwehrschlages holte mich von meinen Beinen. Und plötzlich umringten mich sechs von seiner Sorte, die etwas murmelten. «Frechheit, den Boß einfach zu duzen!» «Den schlucke mer och noch!» «Hauptsache, der macht vorher keine desillusionierende Erfahrung!» und «Nicht noch ein Möchtegern-Zen-Buddhist!» sprachen sie. Ich richtete mich auf und versuchte den Anführer auszumachen, aber ich war mir nicht sicher. Die Hasen fingen wieder an zu tanzen und zu singen, wobei letzteres derart furchtbar klang, daß ich mich wieder einmal übergeben mußte. Die Hasen kamen immer näher und hatten den Kreis so eng gezogen, daß ich nicht mehr entkommen konnte.
Dann war dieses GEFÜHL wieder da und mein Verstand sagte mir: Aha, das ist jetzt also die Intuition! Während mein Verstand völlig verzückt angesichts dieser Erfahrung war, sprach die Intuition zu mir: «Dieser Hase verkörpert die Ursache all deiner Nöte und Schwierigkeiten. Laß ihn nicht länger an deinem Gedanken-Gras knabbern, ringe ihn nieder. Laß dich nicht von ihm täuschen wie der gefallene Krieger. Behalte ihn im Brennpunkt!» Mein Verstand gab nur einen launischen Kommentar zu meiner Intuition ab: «Schwätzer!»
Doch ich hörte nicht auf meinen Verstand und machte mich hellwach für meine bedrohliche Situation, und eine eiskalte Ruhe ergriff mich. Ich leerte meine Gedanken und auch wenn ich darin etwas ungeschickt war (ich vergaß den Namen meiner Mutter), so merkte ich doch, wie ich mich nur auf das eine Ziel konzentrierte.
Ich setzte mich im Schneidersitz hin und meditierte. Die Karotte hielt ich mit beiden Händen fest, ich hielt sie flach auf der Brust, die kitzelige Spitze an meine Wange geschmiegt. Diese hinterhältigen Hasen mochten meine Augen täuschen, nicht aber mein Ohr. Und prompt hörte ich den Anführer der Killer-Hasen hinter mir: Er versang sich bei dem alten Seemannslied und traf den ersten Ton der zweiten Strophe nicht exakt. Nur der Anführer dürfte sich solche kleinen Fehler erlauben. Es gab für den Hasen nur zwei Möglichkeiten: forthoppeln oder töten. Im selben Moment, als ich ihn durch die Luft sausen hörte, hielt ich mit aller Wucht meine Karotte nach oben. Sie traf paßgenau das Maul des Hasen und so konnte er nicht mehr zuschnappen. Da irrte der riesige Hase umher, vergeblich versuchend, die Karotte aus seinem Maul zu entfernen. Die anderen Hasen rannten ohne die Hilfe ihres Anführers ziellos umher. Ich verließ die Szene.

«Das ging gerade noch einmal gut.», meinte Soc stirnrunzelnd.
Ich lief zur Toilette, wo ich mich gründlich übergab. Angesichts der Häufigkeit derartiger Toilettenbesuche fragte ich mich, wie oft ein Mensch sich wohl übergeben muß, bis er sich 'friedvoller Krieger' nennen darf. Socrates hatte mir inzwischen Kamillentee mit Süßholz zubereitet: «Gut für Magen und Nerven», sagte er.
Ich wollte Soc mein Abenteuer von Anfang bis Ende erzählen, aber er fiel mir ins Wort: «Ich saß auf einer Wolke über dir und habe alles beobachtet. Einmal mußte ich fast mitsingen. Zum Glück konnte ich's unterdrücken, obwohl es ein sehr schönes Lied war. Ich hätte wenig Lust gehabt, Bekanntschaft mit diesen wilden Mümmelhasen zu machen. Einen Moment dachte ich, eingreifen zu müssen - aber du hast dich sehr tapfer geschlagen, Dan.»
«Hm, ja, danke, Socrates», strahlte ich. «Ich...»
«Aber du hast einen wichtigen Punkt übersehen, der dich fast das Leben gekostet hätte.» «Der wichtigste Punkt», unterbrach ich ihn, «war für mich der Gesang der Hasen. Und diesen Punkt habe ich nicht überhört!»
«Ist's wahr?»
«Socrates, ich habe mein ganzen Leben lang mit Gespenstern gekämpft, mit quälenden Gedanken. Doch jetzt habe ich mich entschlossen, mein Leben zu verändern, ja, ich will nach Vervollkommnung streben. Aber mein Denken behinderte mich bisher dabei. Ich war ein Sklave meines eigenen Denkens! Dieser Hase war mein einziges echtes Problem. Er verkörperte mein Denken und meine Unfähigkeit, Lieder zu singen. Und, Socrates» - ich war aufgeregt angesichts der Tragweite meiner Tat - «ich habe ihn besiegt!»
«Stimmt», sagte er.
«Was wäre passiert, wenn der Hase gesiegt hätte?»
«Sprich besser nicht davon», sagte er düster.
«Ich will es wissen. Wäre ich tatsächlich gestorben?»
«Wenn du Glück gehabt hättest», sagte er. «Aber wahrscheinlich hättest du für den Rest deines Lebens Seemannslieder gesungen.»

von Matthias Jaap (08.02.1998)

Der Hase und der Karottenkämpfer

Parodie auf Der Riese und der Schwertkämpfer, eine buddhistische Geschichte von Dan Millman. Entstanden ist die Parodie für den Religions-Unterricht, Thema war natürlich der Buddhismus.

 

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